Mönche werden zu Kapitalisten

Was die Herstellung von Sirups, Käse, Antifaltencremes und Pflanzenextrakten für Kosmetik angeht, sind die französischen Geistigen wirtschaftlich fleißig wie die Bienen. Mehr als 200 Klöster in Frankreich betätigen sich wirtschaftlich und produzieren konsumfreundliche und vermarktungsfähige Produkte. Dies ärgert die kommerzielle Konkurrenz in den Bereichen Wein, Spirituosen, vor allem aber in der Lebensmittel-, Kosmetik- und Textilindustrie. Die Gesamtproduktion soll nach fundierten Schätzungen 75 Mio € betragen. Mönche wollen Reichtum erwirtschaften, wie es das Evangelium vorgibt. Mitglieder des Klosters von Lérins am französischen Mittelmeer bringen viele zum Zähneknirschen: Seit 1988 betreiben sie einen maritimen Verkehr und Transport zwischen der 40 ha großen Insel Sainte-Honorat, welche sich in ihrem Besitz befindet, und dem Hafen von Cannes. Ihre drei Boote transportieren jährlich über 100.000 Besucher. Boutiquen und Restaurants mit Bootsausfahrt, getauft „sea, wine et sun“ verleiten zum Konsum von klösterlichen Weinen. Der daraus resultierende jährliche Umsatz beträgt 4 Mio €. Diese Einnahmen erlauben neben der Arbeit von 22 Mönchen, die dauerhafte Anstellung von weiteren 30 Personen sowie die Beschäftigung von 25 Saisonarbeiten.

Umgestaltung des französischen Arbeitsrechts

Der « Code de Travail », das französische Arbeitsgesetzbuch, in 1910 erstmals erarbeitet, umfasst heutzutage mehr als 1200 Paragraphen und über 3.000 Seiten. Selbst spezialisierte Experten verlieren hierbei ihr Latein. Hinzu fügt sich ein wesentliches Merkmal in der mentalen Auffassung zum Gesetz zwischen Frankreich und Deutschland. In der Bundesrepublik werden Gesetze angewandt, unabhängig von Umständen, Gepflogenheiten und Moral, im Hexagon werden sie interpretiert, teilweise je nach Gegebenheiten ignoriert. Zumal es sich bei den Richtern und Schöffen um nicht juristisch ausgebildete Fachkräfte handelt!

Vorrangig werden die Aufrechterhaltung der 35-Stundenwoche wie auch die mangelnde Flexibilität der Arbeitszeit unabhängig von Wirtschaftssektoren und Betriebsauslastung für die unzureichende Wettbewerbsfähigkeit angeprangert.

Der Niedergang der französischen Industrie

Das französische Wirtschaftsmagazin „Les Echos“ hat kürzlich eine prägnante Analyse über die Effizienz der produktiven Sanierung der französischen Wirtschaft veröffentlicht, deren Ergebnis katastrophal ist. Seit dem 1. Trimester 2008 ist die industrielle Produktion um 16,5% gefallen. Während in Frankreich 456.000 Arbeitsplätze zerstört worden, schaffte man in Deutschland gleichzeitig 129.000 neue. Allein im Juli 2015 ist die industrielle Produktion im Hexagon um 0,8% gesunken, wo die Wirtschaftsfachleute lediglich 0,2% erwarteten.

In Wahrheit erfolgte der Niedergang der französischen Industrie bereits nach 1974 mit dem ersten Ölschock. Unter Führung des französischen Präsidenten Giscard d’Estaing  analysierten die französischen ENAisten, die intellektuellen Eliteträger der französischen Intelligenz, die alles wissen und nichts können, dass ein Industrie-Arbeitsplatz drei Mal teurer ist (300.000 FrF) als eine Anstellung im Dienstleistungsgewerbe (100.000 FrF). Analog hierzu, zwischen dem ersten und zweiten Ölschock, 1974-1978, wurden ganze verarbeitende Industriebereiche wie Maschinenbau, Werkzeugbau, Holzbearbeitungsmaschinen uvm. aufgegeben und zerstört, ohne dabei zu bedenken, dass jegliche Dienstleistung grundsätzlich von der erzeugenden Industrie abhängig ist.

Um Frankreich wieder zu industrialisieren, reicht die Finanzkraft des Landes nicht mehr aus, zumal alle von Brüssel vorgegebene Parameter der wirtschaftlichen Kriterien auf „Rot“ stehen. Die Wettbewerbsfähigkeit ist vorrangig abhängig von den Arbeitskosten sowie der Steuerbelastung der Unternehmen. Gemäß einer Analyse des Instituts Coe-Rexecode, basierend auf offiziellen Statistiken der Eurostat, wurde festgestellt, dass in 2013 die durchschnittliche Arbeitsleistung eines französischen Arbeitnehmers, einschließlich der Beamten, lediglich 1.661 Stunden betrug. Franzosen arbeiten jährlich 120 Stunden weniger als Italiener und 186 Stunden weniger als Deutsche.

 

Frankreich wartet auf seine nächste Revolution

Die seit 4 Jahrzehnten erodierende Wirtschaftskraft wie auch die verlorene Identität der Stärken soll wiedererlangt werden angesichts der Globalisierung, der demographischen Veralterung, der Wettbewerbsfähigkeit emergierender Länder, der Massenarbeitslosigkeit, der Revolution der technologischen Informatik und der Destabilisierung der Mittelklassen. Jeder weiß, dass die „Grande Nation“ zu reformieren ist, keiner will die Probleme tatsächlich anpacken. Man wartet auf die intellektuelle wie moralische Revolution. Damit muss das Hexagon im 21. Jahrhundert neu erfunden werden. Frankreich ist weder ein Volk noch eine Geographie, sondern eine Geschichte und eine Zivilisation mit Pfeilern wie die Einheit, die Souveränität, die französische Sprache und die universelle Ausrichtung. Unser Nachbar hat die politische Freiheit wie auch die Menschenrechte entwickelt.

In 2014 sind die Asylanfragen der orientalischen Migranten in Deutschland um 60 % sowie in Schweden um 50% gestiegen, jedoch um 5% in Frankreich gefallen. Warum?

Eine französische Analyse hat ergeben, dass die gewünschten Zielländer diejenigen sind, die eine niedrige Arbeitslosenrate haben: 3,1% in der Schweiz, 4,7% in Deutschland, 4,3% in Dänemark bzw. alternativ, eine hohe wirtschaftliche Wachstumsrate erwirtschaften: 2,8% in Schweden. Die Migranten wissen, welches die dynamischen Volkswirtschaften sind und welche sich in der Krise befinden, sie wissen, wo man Arbeit findet und Geld verdienen kann. Vor allem wissen Sie, wo sich die Zukunft mit der Familie am besten gestalten lässt. Mit einer Arbeitslosenrate von über 10% und 0% Wachstum ist Frankreich nicht unter den Favoriten, zumal die Integration sich schwierig gestaltet. Gemäß einer Studie der OECD, befinden sich 30% der immigrierten Personen in der Armutszone (weniger als 1.000 € Einkommen), gegenüber 13% der eingesessenen Franzosen. Die Immigranten, die sich in den letzten 5 Jahren in Frankreich niederließen, besitzen eine Arbeitsquote von weniger als 25% gegenüber den Einheimischen, wobei diese Quote in Europa lediglich 12% beträgt. Immigrierte Kinder haben sechs Mal weniger Chancen, einen erfolgreichen Schulabschluss zu erreichen, wobei es anderen europäischen Ländern nur 2-mal geringere Chancen gibt.

Zwischen 2004 und 2012 hat Frankreich jährlich 200.000 Immigranten aufgenommen. Dies entspricht  0,3% der Bevölkerung gegenüber 0,6% in anderen OECD Staaten.

Die Deutschen dagegen würden nur zu genau wissen, dass ein demografischer Niedergang und eine wirtschaftliche Bedrohung in Europa nicht von einer zu hohen, sondern von einer unzureichenden Immigration ausgehen.