Der Niedergang der französischen Industrie

Das französische Wirtschaftsmagazin „Les Echos“ hat kürzlich eine prägnante Analyse über die Effizienz der produktiven Sanierung der französischen Wirtschaft veröffentlicht, deren Ergebnis katastrophal ist. Seit dem 1. Trimester 2008 ist die industrielle Produktion um 16,5% gefallen. Während in Frankreich 456.000 Arbeitsplätze zerstört worden, schaffte man in Deutschland gleichzeitig 129.000 neue. Allein im Juli 2015 ist die industrielle Produktion im Hexagon um 0,8% gesunken, wo die Wirtschaftsfachleute lediglich 0,2% erwarteten.

In Wahrheit erfolgte der Niedergang der französischen Industrie bereits nach 1974 mit dem ersten Ölschock. Unter Führung des französischen Präsidenten Giscard d’Estaing  analysierten die französischen ENAisten, die intellektuellen Eliteträger der französischen Intelligenz, die alles wissen und nichts können, dass ein Industrie-Arbeitsplatz drei Mal teurer ist (300.000 FrF) als eine Anstellung im Dienstleistungsgewerbe (100.000 FrF). Analog hierzu, zwischen dem ersten und zweiten Ölschock, 1974-1978, wurden ganze verarbeitende Industriebereiche wie Maschinenbau, Werkzeugbau, Holzbearbeitungsmaschinen uvm. aufgegeben und zerstört, ohne dabei zu bedenken, dass jegliche Dienstleistung grundsätzlich von der erzeugenden Industrie abhängig ist.

Um Frankreich wieder zu industrialisieren, reicht die Finanzkraft des Landes nicht mehr aus, zumal alle von Brüssel vorgegebene Parameter der wirtschaftlichen Kriterien auf „Rot“ stehen. Die Wettbewerbsfähigkeit ist vorrangig abhängig von den Arbeitskosten sowie der Steuerbelastung der Unternehmen. Gemäß einer Analyse des Instituts Coe-Rexecode, basierend auf offiziellen Statistiken der Eurostat, wurde festgestellt, dass in 2013 die durchschnittliche Arbeitsleistung eines französischen Arbeitnehmers, einschließlich der Beamten, lediglich 1.661 Stunden betrug. Franzosen arbeiten jährlich 120 Stunden weniger als Italiener und 186 Stunden weniger als Deutsche.